Interpol – Interpol
2. Sep 2010 von Julia F.Ein Album vom Abschied und Neuanfang – Passend zum langsam beginnenden Herbst melden sich Interpol mit ihrem cineastisch angehauchten düster-dunklen Indierock zurück.
Es wäre schon sehr weit hergeholt, zu behaupten, dass man den Abschied und die Trennung von Charlos Dengler, dem Bassisten und kreativen Kopf von Interpol, die zu den Aufnahmen des Albums noch gar nicht zur Debatte stand, auf dem Album spüren könnte. Trotzdem, gerade die ersten Songs des schlicht INTERPOL betitelten vierten Albums der New Yorker, stehen irgendwie auf Abschied. Hier geben sich Interpol noch einmal ihrer Vergangenheit hin und zeigen musikalisch genau das, was wir von den Jungs kennen: düsterer, pathosgetränkter Indie / New Wave-Rock. So wie in “Barricade”. Oder “Lights”. Langsam und bedächtig beginnt der Track, nur um sich später in die typische Interpolhymne hinaufzuarbeiten. Natürlich, wer ihre Theatralik schon früher nicht gemocht hat, wird auch jetzt nicht glücklich werden, denn die Band holt auch hier groß aus und ruft ihr cineastisches Potenzial ab. Interpol leben eben immer wieder von dem Spannungsfeld der gemäßigten Töne und der angesprochenen Theatralik.
Mit “Always Malaise”, dem herausragenden Stück dieser LP, bei dem Paul Banks’ Stimme irgendwo über der Klaviermelodie zu schweben scheint, ist die Vergangenheit dann erst einmal abgeschlossen und Interpol wenden sich der Zukunft zu. Ein kleiner Neuanfang ist auf der zweiten Hälfte von INTERPOL nämlich schon zu hören, auch wenn hier kein großer Bruch erwartet werden darf. Das was folgt, ist alles immer noch typisch Interpol, aber die drei (damals ja noch vier) Jungs sind bereit, Veränderungen zuzulassen, bewährte Songstrukturen wegzulegen und sich freizuspielen. Ja, eingängig geht anders. Aber besser als auf der zweiten Hälfte ihres Albums war Interpol tatsächlich noch nicht. Es macht Spaß ihnen zuzuhören. Den kleinen Ecken, Kanten und Wendungen in den Songs zu entdecken und wirken zu lassen. Die verschiedensten dramaturgische Elemente werden zu einem Ganzen gestrickt, dass am Ende mehr Sinn macht, als der Hörer am Anfang denken wird. Ob das melancholische “Try It On” oder “The Undergoing”, das sind keine Songs zum nebenbei hören, soviel steht fest. Das ist Musik, die die volle Aufmerksamkeit vom Hörer verlangt.
Hoffen wir, dass Interpol auch ohne Carlos, an genau dieses Album anknüpfen können in Zukunft. Es wäre ein Neuanfang zur genau richtigen Zeit.
VÖ: 3.9.
Tracklist:
1.Success7/10
2. Memory Serves 7/10
3. Summer Well 6/10
4. Lights 7/10
5. Barricade” 8/10
6. Always Malaise (The Man I Am) 8/10
7. Safe Without 7/10
8. Try It On 8/10
9. All of the Ways 7/10
10. The Undoing 8/10
Durchschnitt: 7,3/10
Gesamteindruck: 7,5/10








