Jamie Cullum, 31.05.2010, Berlin
2. Jun 2010 von Roxi K.
Mit dem Lied „I Want To Be A Popstar“ endete 2002 “POINTLESS NOSTALGIC”, das Debütalbum von Jamie Cullum. Acht Jahre und weitere drei Alben später ist es ihm auch ohne Frage gelungen. Jamie Cullum ist vielleicht sogar mehr als ein Popstar, denn er vereint alle Stilrichtungen. Ob Jazz, Pop, Rock, HipHop oder auch Musical, alles findet sich wieder in Jamies Musik.
Das Berliner Tempodrom ist schon seit Monaten ausverkauft. Bevor die Türen aufgehen stehen in langen Schlangen Teenager hinter Herren im gesetzten Alter mit grauem Haar, und der Mitdreißiger Businessdame im Hosenanzug und Hochsteckfrisur. Und alle wollen Jamie! Circa drei Stunden später sieht man genau diesen bunt gemischten Haufen Menschen vor der Bühne mit hitzigen Wangen und strahlenden Gesichtern stehen. „Ich zähle jetzt bis vier und dann möchte ich, dass ihr alle springt!“ ruft Jamie ins Mikro, „Eins! Zwei! Nein noch nicht! Gleich! Bei Vier!!! Eins! Zwei! Eins, Zwei, Drei, Vier!!!!“ und das Publikum von 14-84 springt im gleichen Rhythmus auf und ab! Mehrere tausend Manschen! Und singen dabei lauthals die Ohhhh Ohhhh Ohhs des Liedes „Mixtape“, das auf dem letzen Album THE PURSUIT zu finden ist. Würde man am anderen Ende von Berlin seismographische Messungen durchführen, würde man mit Sicherheit in diesen Minuten einen ganz großen Ausschlag feststellen. Ja, in diesem Momenten muss es Herr Cullum wissen: Er ist jetzt ein Popstar! Dabei macht er vielmehr den Eindruck eines kleinen spielenden Jungen, der vor allem eins hat: einen mordsmäßigen Spaß! Sein Klavier benutzt er nicht nur zum drauf rumklimpern. Es gibt auch ein hervorragenden Percussionersatz und ein großartiges Trampolin ab! Er tobt sich auf Keyboard und Bongos aus, holt sogar kleine Glöckchen und ein Megafon hervor und sein Mikrofon fungiert auch zwischendurch als Trompete oder als Beatboxhilfe. Es scheint als stünde nicht ein dreißigjähriger Mann auf der Bühne, sondern ein niemals erwachsen werdender Junge für den die Musik ein großer Spielplatz ist auf dem er sich austoben kann. Und dieser Spielplatz hat keine musikalischen Grenzen. Neben wundervollen Eigenkompositionen (z.B. “Photograph”, “All At Sea”, “Gran Torino”) ist er für seine unzähligen Coverversionen bekannt. Diese reichen heute von Standards wie „I Get A Kick Out Of You“, zu Pophymnen wie „Don’t Stop The Music“, R’n'B Klassikern á la “Frontin” bis hin zum Hendrixevergreen „Wind Cries Mary“. Aber Jamie Cullum schafft es daraus seine ganz eigene Versionen zu machen. So leitet er den Klassiker „I’m Singing In The Rain“ übergangslos in den Hit „Umbrella“ über und die Zuschauer merken selber gar nicht, wie sie sich plötzlich von Gene Kellis „Doo-doo-doo-doo-doo“ in Rhiannas “ela-ela-eh eh eh under my umberella” hineinsummen.
Nach mehr als zwei Stunden geht mit dem wundervoll berührendem “Gran Tourino” und einer atemlos überragenden Show das britische Energiebündel von der Bühne. Und draußen auf den verregneten Straßen, zwischen den Autos und Hochhäusern, da hört man ganz leise „the wind cries Jamie“.
Weitere Bilder zum Konzert; Fotografin Roxi K.








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